Mazda MX-5 Kaufberatung

 




Wenn sich jemand für die Memories-Modelle als Gebrauchtwagen interessiert, sollte er sich zuerst etwas mit der Ausstattung vertraut machen (ein Klick auf die Vorschaubilder führt zu der detaillierten Prospekt- und Ausstattungsseite). Viele Händler wissen nämlich scheinbar gar nicht genau was sie da für einen MX-5 in Zahlung genommen haben, bzw. weiterverkaufen. Dies trifft sogar auf einige Privatpersonen zu; immer wieder sieht man in Kleinanzeigen verkehrte (Sonder-) Modellbezeichnungen.











Quelle für die Prospektbilder: Mazda Motors (Deutschland) GmbH


Der Mazda MX-5 Memories III als Gebrauchtwagen:
 
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Mein erster Blick bei einem (angeblichem) Memories III - Modell gilt deshalb immer dem sehr charakteristischen Holzlenkrad.


Ausschliesslich beim Memories III ist dieses in einem sehr dunklem Holzton mit einem eingesetzten weißen Intarsienring versehen (siehe unten). Sieht das Lenkrad anders aus - bzw. fehlt dieser Intarsienring - handelt es sich entweder gar nicht um einen Memories III, oder aber das Lenkrad wurde ausgewechselt.





Im Gegensatz zu früher (als Autos noch keinen Airbag hatten) dürfen Lenkräder nicht mehr gegen andere Modelle eingewechselt werden (wie es beispielsweise bei den ganz frühen NA´s noch möglich war). Heute darf ein Lenkrad nur noch mit einem vom Hersteller akzeptierten, sprich baugleichen Lenkrad ausgetauscht werden, ansonsten verliert das Auto seine Betriebserlaubnis.


Da das originale Memories III Lenkrad als Ersatzteil beim Mazda Händler über 1000 € (ohne Einbau!) kostet, liegt bei einem anderen Lenkrad der Verdacht natürlich auf der Hand, dass der Airbag bei einem schweren Unfall ausgelöst wurde, und danach durch ein billigeres Serienlenkrad (oder Schlimmeres) ersetzt wurde.



Holzlenkrad mit weißen Intarsienring - ausschliesslich beim Memories III Sondermodell zu finden.

Frühes MOMO-Leder-Lenkrad mit Mazda-Abdeckung für die ersten NA-Modelle.

Ist man sich also sicher, ein Memories III - Modell vor sich zu haben, sollte der Interessent zudem auf Vollständigkeit der anderen Memories-Ausstattungsmerkmale achten; ein ausgetauschtes, zum Sondermodell gehörendes Radio, oder eine fehlende, auch in der Farbe passende Persenning wird wegen der teilweise sehr geringen Stückzahlen nur sehr schwer zu ersetzen sein. Auch ist das in allen drei Memories Modellen verwendete beige Leder von Modell zu Modell unterschiedlich. Sitze vom den Memories-Modellen sehr ähnlichem Sondermodell Miracle können z.B. nicht im Memories verwendet werden, da die Sitze bei einem Facelift stark verändert wurden. Teile wie die häufig (so auch bei MaXine) ausgetauschten und durch weiße Exemplare ersetzen Reflektoren und Seitenblinker sind dagegen von allen Modellen austauschbar, die Ersatzteillage hier also kein Problem. Dennoch ruhig mal beim Verkäufer nach den Originalteilen fragen.

Der Memories III ist serienmässig immer mit dem schwarzen Stoffverdeck ausgeliefert worden. Je nach Pflegezustand und Laufleistung sollte das Verdeck noch immer einen guten Eindruck hinterlassen, zumindest wenn es sich um ein hoffentlich gut gepflegtes Garagenfahrzeug handelt. „Laternenparker“ haben natürlich stärker unter der UV-Strahlung und dem Winter zu leiden - zusätzlich zum Risiko eines Vandalismusschadens. Das Stoffverdeck mag zwar etwas pflegeintensiver sein als das Vinylverdeck der früheren NB´s, aber dafür leidet es auch weniger unter UV-Schäden (brüchige und ausgeblichene Stellen)  - und es sieht einfach besser aus. Blank gewetzte Scheuerstellen oder aufgerissene Nähte an den Faltlinien sprechen für einen baldigen Austausch, der zwar problemlos, aber eben auch alles andere als günstig zu haben ist. Der Austausch ist zwar auch in einigen Reparaturbücher (siehe Bücherliste) erläutert, ist aber wohl doch eher was für Experten. Das originale Verdeck ist dafür bekannt, dicht zu halten, ein Test mit dem Wasserschlauch sollte Klarheit bringen. Wer jetzt jedoch mit dem Hochdruckreiniger direkt auf die Nähte hält und danach über einen Tropfen auf dem Sitz mäkelt, hat das Konzept vom Roadster vielleicht doch noch nicht ganz verstanden - oder zum Vergleich noch nie einen BMW Z3 bei Regen erleben müssen. Bei der Gelegenheit die Verdeckspannriegel prüfen, diese können auch leicht verstellt werden und so für einen etwas festeren Sitz des Daches sorgen. Das ungefütterte Verdeck sorgt nicht nur für ein leichtes Bedienen des Daches (sogar von innen), sondern auch für ein gutes Herankommen an das Verdeckgestänge, dass man beim Frühjahrsputz mit ein wenig Öl oder Fett leichtgängiger machen kann.

Wo wir schon beim Wasser sind, stoßen wir auf das größte Problem des Memories III, das aber auch alle anderen NB-Modelle betrifft: Rost.


In den einschlägigen Foren wird viel über Rost und deren Häufigkeit bei den verschiedenen Modellreihen geschrieben. Auch wenn es natürlich sehr vom Pflegezustand und der Laufleistung, bzw. dem Alter des Fahrzeuges abhängt, so ist doch zu beobachten, dass der NB anscheinend stärker vom Rost befallen wird, als es der Stand der Rostvorsorge eigentlich vermuten lassen sollte. So gibt es durchaus NA-Modelle die weniger rostig sind als viel jüngere NB-Modelle (oder noch jüngere NC-Modelle, um deren Rostschutz es wohl auch nicht zum Besten bestellt ist). Verantwortlich für die wirklich schlimmen Rostschäden scheinen jedoch hauptsächlich die Wasserablauflöcher zu sein, die -falls verstopft- Schweller und ganze Seitenteile durchrosten können. Testen sollte man diese Wasserabläufe unbedingt; sie kommen u. A. an beiden Seiten vor den Hinterrädern aus dem Wagenboden - erkennbar an kleinen Gummischlauchenden. Diese sollten mit Druckluft oder kleinen Flaschenreinigern vorsichtig gereinigt werden. Sind diese verstopft sammelt sich das Wasser im Schweller - wenn schon von außen an Rostbläschen erkennbar, ist der Schweller wahrscheinlich schon austauschreif.



Auch ein Blick in den vom Teppich und Notrad befreiten Kofferraumboden sollte selbstverständlich sein. Im tiefsten Punkt der Notradmulde sammelt sich das (wenn vorhandene) Wasser, das durch defekte Lampen oder Dichtungen (Unfallschaden?) eintritt.


Unterm Kofferraumboden findet sich oft noch der Original-auspufftopf, der (obwohl er oft nicht mehr schön aussieht) dafür bekannt ist, lange zu halten, wenn er nicht ausschließlich im Kurz-streckenbetrieb gefahren wurde. Oft wurde der Optik wegen mit Zinkspray nachgeholfen. Für die ebenfalls zahlreich vorhandenen Auspuffanlagen aus dem Zubehörhandel sollte man sich die nötigen Papiere zeigen lassen (ABE/Eintragung).

Wegen des speziellen Lacks der Memories-Modelle habe ich mir Sorgen gemacht, aber ein guter Lackierer kann mit den Mazda-Farbcode (Radiant Ebony Met. 28W) Wunder bewirken. Ein Lackstift mit diesem Code (erhältlich über Mazda) hilft bei Steinschlägen, die bei wirklich jeden NB den ich bisher gesehen habe, vorhanden sind. Steinschläge auf der Motorhaube sind zwar optisch nicht schön, aber Rost ist hier weniger das Problem; die Haube ist aus Aluminium und rostet wenn überhaupt eher von innen an den Verbindungstellen zum Verstärkungsrahmen (der aus Stahl ist) - also wieder Hohlraumkonservierung mit einplanen.

Ein kleines, aber wichtiges Detail, das beim Gebrauchtwagentest überprüft werden sollte: die Fernentriegelungen in der Mittelkonsole. Diese öffnen über einen Bowdenzug den Tankdeckel, beziehungsweise den Kofferraumdeckel.

Mechanisch und technisch gilt der Mazda MX-5 bei guter und regelmässiger Pflege als problemlos. Beim Kauf prüfen, ob der bei 90.000 Kilometern fällige Zahnriemenwechsel durchgeführt wurde. Alle 50.000 Kilometer sollten auch die Zündkabel gewechselt werden, die unter der starken Hitze des Zylinderkopfes leiden.

Die beim Memories III serienmässige Domstrebe

Der B6 4-Zylinder-DOHC Reihenmotor mit
16 Ventilen, 1,6 Liter Hubraum und 110 PS

Für eine ausführlichere Kaufberatung empfehle ich das Buch „The Essential Buyer´s Guide“ von Carla Crook; siehe Bücherliste.

Alle Memories III sind jetzt knapp sieben Jahre alt und werden im gutem (Ersthand-)Zustand mit geringer Laufleistung bei knapp unter 10.000 € gehandelt (Stand August 2011). Ein sehr guter Wert, wenn man sieht, was „normale“ Autos mit ähnlichem Alter noch wert sind. Auch der TÜV-Bericht bescheinigt dem MX-5 eines der solidesten Gebrauchtautos zu sein - vom zusätzlichen, offenen Fahrspaß mal ganz abgesehen.


Leider sind viele der NB Modelle gerade auf dem Weg ins Jammertal der Dritt- und Vierthand-Gebrauchtwagen, mit entsprechenden Folgen wie mangelnde Pflege und Wartung. Eine häufige  Selbstüberschätzung der fahrerischen Kenntnisse der oft jungen Fahrer führt zu einer weiteren Dezimierung des Bestandes an diesen Fahrzeugen. Der MX-5 ist eben - wie seine britischen Vorbilder- zwar auch für sportliches, aber größtenteils doch eher gemütliches Fahren ausgelegt.


Leider ist die Rostproblematik so ernst, dass in den kommenden Jahren viele Besitzer vor der Wahl stehen werden, das Fahrzeug zu wechseln oder zu restaurieren - viele Fans haben sich für die Sanierung entschieden (in den MX-5 Foren und auf vielen privaten Webseiten sind gute Beispiele hierfür zu finden).


So wird auch der NB (der im Grunde ein weiterentwickelter NA ist) seine Liebhaber finden, besonders die Sondermodelle. Beim NA ist ein Ende des Preisverfalls bereits abzusehen und gute, originale Exemplare sind bereits als Youngtimer gesucht. In vielen Jahren wird der MX-5 meiner Meinung nach trotz seiner heute noch hohen Verbreitung seltener auf Oldtimertreffen anzutreffen sein, als beispielsweise ein Mercedes SL. Gute MX-5 (egal ob NA oder NB) sollte man daher entsprechend achten und pflegen.

Auch die Schwellerenden in den Radläufen rosten gerne, was jedoch einfach und mit bloßen Auge zu sehen und ebenso einfach mit den Fingern zu erfühlen ist.


Viele Kofferraumdeckel scheinen von innen zu rosten, auch hier hilft (wie beim ganzen Wagen dringend zu empfehlen) eine nachträgliche Hohlraumkonservierung mit Wachs.

Man kann aber auch die (beim Memories-Modellen immer verchromten) Fußeinstiegsleisten vorsichtig eintfernen (sind nur eingesteckt) und in die dann offen liegenden Löcher mit Taschenlampe und (falls verfügbar) Endoskop reinschauen.


Ähnlich einfach ist der Zugriff über die Seitenblicker, die durch leichtes Drehen aus dem Kotflügel entfernt werden können.

Während der Kofferraumdeckel notfalls auch mit dem Schlüssel von aussen zu öffnen ist, lässt sich der Tankdeckel bei abgesprungenen oder gerissenen Bowdenseil nicht mehr öffnen. Eine Funktionsprüfung ist also ratsam. Auf das hakelige Schloss, das die Entriegelungen und den Inhalt des Faches schützen soll, sollte man sich übrigens genau so wenig verlassen wie auf das Schloss des Handschuhfaches.

Wer will kommt über die Fernentriegelung auch an den Kofferraum ran; Wertsachen also weder in den Fächern, noch im Kofferraum lassen.

Gleich auch einen Blick auf die Batterie des MX-5 werfen; unter der Halterung ist eine Art Halteblech, auf der die Batterie steht. Diese und das darunter befindliche Blech sollte rost- und säurefrei sein. Der MX-5 hat zwar eine Gel-Batterie (zumindest serienmässig) aber ein Blick kann nicht schaden, da die spezielle Batterie wegen ihrer Kosten gerne mal durch günstigere Batterien ersetzt wird, die irgendwie in die eigentlich nicht passende Halterung „reingebastelt“ werden.

Die Mittelkonsole mit den Fernentriegelungen

Lack- & Klarlackstift

Unterboden mit serienmässigen Endtopf. Auch zu sehen: die Dreieckslenker und zusätzlichen (beim Memories III serienmässigen) Verstrebungen, die die gewünschte Karosseriesteifigkeit verstärken.

Kofferraummulde

Schwellerende im Radhaus

Verdeckgestänge

NB-FL Stoffverdeck

Modularradio

Persenning

Blinker & Reflektoren

Eines der Ablauflöcher, das vor dem hinteren rechten Radlauf endet.

Ergänzung: Inzwischen weiß ich, dass das Holzlenkrad mit Intarsien auch im Sondermodell „Impuls“ verwendet wurde. Dank an Dirk für den Hinweis.
Ausstattung.
Lenkrad.
Persenning.
Stoffverdeck
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Rost.
Endtopf.
Kofferraum.
Lack.
Fernentriegelung.
Mechanik.
Fazit
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